werbekampagne

31/12/2025

die stadt lag da wie ein alter hund mit räude.
sie stank nach sparmaßnahmen und schlechten entscheidungen.
eine mitarbeiterin rief mich an, stimme geschniegelt, verzweiflung zwischen den silben.
"wir brauchen ihre arbeit", sagte sie.
brauchen.
dieses wort sagen leute immer dann, wenn sie nichts bezahlen wollen.

kein geld.
leider.
man müsse sparen.
überall sparen.
sparen sei jetzt modern.
sparen sei haltung.
sparen sei quasi moral.

ich nickte innerlich und legte auf.
man gewöhnt sich an sowas.
man lebt davon.
oder stirbt langsam daran, was im grunde dasselbe ist.

ein paar tage später lief ich durch die stadt.
dieselbe stadt.
der räudige hund.
und da sah ich es:
plakate.
groß.
teuer.
schreiend bunt wie ein nervenzusammenbruch auf lsd.

eine werbekampagne.
drittklassig, bestenfalls.
schlechter als ein kneipenwitz um vier uhr morgens.
schriftarten wie aus der hölle des grafikdesigns.
slogans, die klangen, als hätte sie ein praktikant mit hirnfrost geschrieben.

und darunter klein, aber stolz: bbb.

die stadt, die mir erklärt hatte, sie sei pleite wie ein spieler nach der letzten wette,
hatte einer werbeagentur einen sack voll geld gegeben,
damit sie öffentlichen raum verunstaltet.
mit überzeugung.
mit budget.
mit rechnungen, die pünktlich bezahlt wurden, nehme ich an.

ich blieb stehen und lachte.
dieses trockene lachen, das aus dem bauch kommt,
wenn man merkt, dass logik hier hausverbot hat.

irrsinn?
nein.
das ist verwaltung.
das ist kulturförderung für leute mit powerpoint und ohne scham.

sie wollten meine arbeit.
aber sie wollten sie umsonst.
die andere arbeit war scheiße,
aber sie war teuer,
und teuer ist in dieser welt offenbar das einzige,
was zählt.

ich ging weiter.
der hund blieb räudig.
die plakate blieben hässlich.
und irgendwo saß jemand von bbb in einem café
und nannte das ganze einen erfolg.