vorarlberg - hinten rum
ich poste auf facebook.
ich poste auf instagram.
bilder. jeden tag.
licht, schatten, ruhe, chaos.
vorarlberg schaut zu.
man spricht mich an.
"hey, bist du nicht der fotograf?"
ja. bin ich.
"wir schauen deine bilder täglich."
schön.
"wir bewundern deine bilder."
auch schön.
"ist das nicht viel arbeit?"
arbeit.
ich lache nicht.
ich nicke.
dann höre ich geschichten.
nicht von mir.
über mich hinweg.
ein anderer fotograf.
kennt man halt schon ewig.
freund vom freund vom cousin vom nachbarn.
der bekommt ein shooting.
ein stundensatz, von dem ich nachts träume,
wenn der schlaf mich hasst.
die bilder?
na ja.
sagen wir: sie hängen gerade.
aber nicht hoch.
und dann treffe ich diesen auftraggeber.
zufällig.
immer zufällig.
er schaut mich an und sagt:
"hey, du machst echt tolle bilder!"
ich weiß.
du weißt.
wir wissen beide,
dass er gestern noch dem starfotografen
den roten teppich ausgerollt hat.
dem, den man halt schon so lange kennt.
absurd?
nein.
vorarlberg.
hier wirst du nicht gebucht,
weil du gut bist.
oder besser.
oder der beste.
hier wirst du gebucht,
weil man dich schon immer gebucht hat.
tradition statt talent.
handschlag statt auge.
man würde ja schlecht dastehen,
wenn plötzlich ein anderer
die firma knipst.
die hochzeit.
den hund.
das geht doch überhaupt nicht.
also macht man es hintenrum.
lieber hintenrum.
ganz sauber schmutzig.
und dann der abspann.
der hohn mit schleife.
"hey, gehst du morgen wieder fotografieren?"
klar.
immer.
irgendwer muss ja hinschauen,
wenn alle anderen nur wegschauen.
liebe grüße aus vorarlberg.
amen.
